Zwischen den Jahren 1860 – 1880 kam der Grossteil der tscherkessischen Flüchtlinge im osmanischen Reich an. Ein Teil wurde als erst auf dem Balkan angesiedelt, der damals Teil des osmanischen Reiches war. Diese wurden nach dem russisch - türkischen Krieg (1877-1878) in den Westen der Türkei und in den nahen Osten umgesiedelt.

Ein weiterer bedeutender Teil der Tscherkessen, die über den Landweg ins osmanische Reich kamen wurde in Zentral Anatolien angesiedelt.


In der Geschichte des osmanischen Reiches sowie der Türkei waren die Tscherkessen stets loyal gegenüber den herrschenden Parteien. So spielten die Tscherkessen in der Organisationsphase des Freiheitskrieges (1919-1922) wie auch bei dessen Ablauf eine bedeutende Rolle. Nach der siegreichen Beendigung des Freiheitskrieges wurde den Tscherkessen jedoch jede kulturelle Betätigung untersagt. Kulturvereine wurden geschlossen, ihre Veröffentlichungen verbrannt und Mitglieder inhaftiert. In den 30er Jahren wurde die tscherkessische Sprache zusammen mit den anderen Minderheitensprachen verboten, die gezielten Turkisierungsmaßnahmen blieben nicht ohne Erfolg.


" Çerkes Ittihad ve Teavün (Çerkes Birlesme ve Yardimlasma) Cemiyeti" Gründer des ersten tscherkessischen Vereins in der türkischen Diaspora im August 1908 Istanbul.


Durch die Einführung der freiheitlichen Verfassung in den 60er Jahren verbesserte sich die Lage der Tscherkessen in der Türkei. Im ganzen Land gründeten die Tscherkessen Kulturvereine. So zahlreich sie waren, blieb der Einfluss dieser Vereine auf die Masse der türkischen Tscherkessen jedoch gering.
Ein nicht geringer Teil der heute in der Türkei lebenden Tscherkessen steht dem Problem des Fortbestandes der eigenen ethnischen Identität gegenüber.
Hierbei handelt sich um Personen die als hochgradig assimiliert gelten dürfen, jedoch noch das Bewusstsein ihrer tscherkessischen Herkunft besitzen.

Die in der Türkei lebenden Tscherkessen sind oft in demokratischen und liberalorientierten Strömungen wieder zu finden.
Durch die aktuelle Europa orientierte Politik der Türkei und der daraus resultierenden Minderheitsfreundlichen Politik, erhoffen sich die Tscherkessen und ihre Kulturvereine ein liberaleres und effektiveres Wirken gegen das fortschreiten der Assimilation und Sprachensterben unter den Tscherkessen in der Türkei.

Heute gibt es in der Türkei die größte tscherkessische Diaspora mit etwa 1,5 Mio. Menschen. Die bedeutendsten und zahlreichsten Siedlungsgebiete der Tscherkessen in der Türkei sind

Samsun: Abadzechen, Ubychen, Schapsughen und Makhoscher
Tokat: Abadzechen und Kabardiner
Sivas: Kabardiner
Kayseri: Kabardiner und Hatkhuejer.
Adana: Kabardiner und Ubychen
Kahramanmaras: Kabardiner Abadzechen und Ubychen
Hatay: Abadzechen und Schapsughen
Çorum: Abadzechen, Beslenejer und Schapsughen
Sakarya: Ubychen, Schapsughen Abadzechen und Temirgojer
Düzce: Schapsughen, Abadzechen, Ubychen, Beslenejer und Temirgojer
Balikesir: Ubychen, Schapsughen und Abadzechen
Bursa: Schapsughen und Abadzechen
Eskişehir: Abadzechen, Beslenejer, Bjjedughen
Çanakkale: Bjjedughen, Abadzechen und Schapsughen




Karte - Siedlungsgebiet der Tscherkessen in der Türkei (Atlas Dergi / Çerkesler NO: 2003/03)



Irfan Genel

Quellen:
- Batiray Özbek.: Die tscherkessischen Nartensagen, Heidelberg 1982
- Izzet Aydemir.: Göç, Ankara 1988