Die siegreichen Russen hielten auf der Waldwiese Kbadaa bei Sotchi - jetzt die rote Waldwiese - eine Militärparade ab. Kbadaa die letzte Bastion der Nordkaukasier, fiel am 21 Mai 1864. Dieser Tag gilt als Ende des russisch- kaukasischen Krieges.
Zuvor im Jahre 1859 musste sich der legendäre Imam Schamil den Russen ergeben. 30 Jahre lang kämpfte dieser mit etwa 20.000 Soldaten gegen die russischen Eroberer.

Niemand vor und niemand nach ihm drückte dem kaukasischen Freiheitskampf seinen Stempel auf wie Imam Schamil. Mit der Eroberung des Kaukasus erhofften sich die Russen eine leichtere Expansion zum Indischen Ozean hin, gleichzeitig wollten sie diese strategisch wichtige Landbrücke- Kaukasien für sich in Anspruch nehmen, um sich ihrer zu bemächtigen als Grenze zur ihren Nachbarstaaten wie dem osmanischen Reich und Iran. Der russisch- kaukasische Krieg dauerte mehr als 100 Jahre und forderte unzählige Menschenleben. Auf der einen Seite eine hochmoderne Armee mit unerschöpflichen Ressourcen und auf der anderen Bergvölker mit geringen Mitteln die ihre Freiheit und Heimaterde verteidigen wollten. Nach Ende dieser blutigen Kriege begann die eigentliche Katastrophe des tscherkessischen Volkes. Durch gezielte Umsiedlungs- und Vertreibungspolitik wurden die nordwest-kaukasischen Völker dazu veranlasst ihre Heimat zu verlassen.





Etwa 750.000 Nordkaukasier, vor allem Tscherkessen und Abchasen wurden ins osmanische Reich zwangsumgesiedelt. Tausende, die nicht unter dem Joch der Russen leben wollten aber auch nicht ihre Heimat verlassen wollten, legten sich an der Küste des Schwarzen Meeres in der glühenden Hitze zum Sterben in den Sand. Andere stürzten sich von den Felsen in die Schluchten herab um nicht in die Hände der Russen zu fallen. Viele kamen während der Überfahrt auf dem Schwarzen Meer um und manche sprangen aus Sehnsucht von den Schiffen ins Meer um wieder zurück in die Heimat zu kehren. Mit osmanischen und russischen Frachtern wurden die Tscherkessen in verschiedene Küstenstädte des osmanischen Reiches, wie Samsun, Trabzon, Sinop, Varna, Izmir, Izmit, Istanbul, Antalya, Iskenderun, Lazkiye Hayfa und Iskenderiye gebracht. Viele Orte waren klimatisch so ungünstig dass unter den Flüchtligen Seuchen ausbrachen. An manchen Orten starben täglich hunderte von Menschen. Die türkischen Behörden waren auf die Ankunft so vieler Menschen zu keinem Zeitpunkt vorbereitet und so nahm die Tragödie ihren Lauf. Bis heute gibt es nur Schätzungen über die Zahl der Flüchtlinge als auch über die Zahl der Toten während der Zwangsumsiedlung.
Ein Teil der Vertriebenen aus dem Nordwestkaukasus wurde vom osmanischen Reich als Wehrbauern auf dem Balkan angesiedelt. Nachdem russisch - türkischen Krieg 1877-1878 aus dem die Russen siegreich hervorgingen und dem daraus resultierenden Vertag von Berlin, in dem festgelegt wurde, dass alle Tscherkessen und Abchasen den Balkan verlassen müssen, erfolgte eine weitere Zwangsumsiedlung dieser Völker. Diese wurden nun in den Westen der Türkei umgesiedelt, vorwiegend um die Städte Balikesir, Sakarya, Bolu und Eskisehir und mit Schiffen in den Nahen Osten, nach Syrien und Palästina gebracht.
Ein weiterer Teil der Tscherkessen und Abchasen aus dem Kaukasus wurde von der türkischen Schwarzmeer Stadt Samsun über Tokat, Kayseri, Adana, Hatay bis hin nach Amman Jordanien angesiedelt. Durch den Zerfall des osmanischen Reiches und der Entstehung neuer arabischer Länder im 20 Jahrhundert, leben die Tscherkessen heute verstreut und voneinander getrennt innerhalb verschiedener Länder wie der Türkei, Syrien, Jordanien und Israel.



Kartenbeschreibung:
Blauer Pfeil – Zeigt die Route und die Siedlungsgebiete der Tscherkessen und  Abchasen die aus dem Nordkaukasus vertrieben worden sind.
Roter Pfeil – Zeigt die Umsiedlung der auf dem Balkan angesiedelten Tscherkessen und Abchasen in den Nahen Osten und nach Anatolien.


Auf dem ersten Weltkongress der Tscherkessen im Jahre 1991 in Nalchik Kabardino-Balkarien, wurde per sonder Dekret von den Parlamenten der autonomen Republiken Adygeja, Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien, der 21 Mai als Trauertag des tscherkessischen Volkes ausgerufen. Tschetschenien erklärte im Jahre 1994 den 21 Mai als "Tag der Wiedergeburt der Völker des Nordkaukasus" und regte die Gründung eines "internationalen kaukasischen Gerichtshofes" mit Sitz in Suchumi- Abchasien an, dessen Aufgabe die offizielle Verurteilung " Der Henker der kaukasischen Völker" sein soll.
Das Schicksal der Tscherkessen ist ähnlich der Tragödie der Indianer. Trotzdem wird dem Schicksal der Tscherkessen wenig Aufmerksamkeit geschenkt, da sie es nicht verstanden haben, es der Öffentlichkeit nahe zu bringen.



Irfan Genel

Quellen:
- Ali und Hasan Kasumov.: Çerkes Soykrimi, Ankara 1995
- Naira Gelaschwilli.: Georgien ein Paradies in Trümmern, Berlin 1993
- Batiray Özbek.: Die tscherkessischen Nartensagen, Heidelberg 1982
- Uwe Halbach.: Krisenherd Kaukasien / Von Mansur zu Dudajew? Wiederstandstradition der
nordkaukasichen Bergvölker, Baden Baden 1995
- Batiray Özbek.: Bibliographie der Tscherkessen, Ankara 1993